Was verdient die Frau? – Das Drei-Konten-Modell

Es ist für viele Familien nach der Geburt des ersten Kindes der normale Zustand: Die Frau kümmert sich um den Haushalt, das Essen, Einkäufe und den neugeborenen Säugling. Arzttermine, Stillen, Windeln wechseln, sich um Klamotten für den kleinen Nachwuchs kümmern und um einen passenden Kindersitz… All das und noch viel mehr bestimmt den Arbeitsalltag der Frau. Und der Mann verdient das Geld.

Moment mal: Verdient der Mann das Geld? Oder verdienen es eigentlich beide Partner? Wenn wir offizielle Statistiken heran ziehen, schneiden Männer sogar schlechter ab. Dann müsste von dem gemeinsam erwirtschafteten Geld in sehr vielen Fällen der Frau mehr zustehen als dem Mann. Laut einer Oxfam-Studie von 2020 wird über 80% der Arbeit von Männern bezahlt – von der Arbeitszeit, die Frauen leisten, werden hingegen nur 41% bezahlt. Der Rest ist unbezahlte Arbeit, wie eben zum Beispiel Hausarbeit, Kindererziehung und so weiter. Diese unbezahlte Arbeit hat meist mit Pflege zu tun und wird daher auch Care-Arbeit genannt. Die komplette Oxfam-Studie (16-seitiges PDF) setzt sich mit globaler ökonomischer Ungleichheit auseinander.

Wir wollen über die Wertschätzung von nicht bezahlter Arbeit aufklären und Frauen dazu ermutigen, klar zu sagen: Schatz, wir sind ein Team! Und ein Team arbeitet zusammen.

Dabei meinen wir nicht ein Team, welches aus einem Leistungsträger und einem Ersatz-Spieler besteht, sondern ein Team aus gleich starken und gleichberechtigten Partnern. Jeder im Team wird gebraucht und jeder ist gleich viel Wert. Keiner kann ohne den anderen. Und so sollte es auch für beide klar sein: Was im Team monetär erwirtschaftet wird, gehört beiden gleichermaßen. Wir wollen Frauen darin bestärken, sich genau das bewusst zu machen und nicht in eine Bittsteller-Rolle zu verfallen und den Mann zu fragen, ob sie Geld für dies und das haben dürfen.

Statistik aus der Oxfam-Studie “Im Schatten der Profite – Wie die systematische Abwertung von Hausarbeit, Pflege und Fürsorge Ungleichheit schafft und vertieft” vom Januar 2020

Wenn dies geschieht und die finanzielle Ungleichheit und damit auch finanzielle Abhängigkeit so deutlich wird, dann ist es kein weiter Weg mehr zur finanziellen Gewalt, also dass der ökonomisch (vermeintlich, also auf dem Papier) stärkere Partner auf den anderen Druck mithilfe dieser Abhängigkeit ausübt.

Soll ich heiraten? Ehe sinnvoll oder nicht?

Die Zahlen von Paaren, die heiraten, nimmt ab. Lebensgemeinschaften ohne Eheschließung liegen klar im Trend. Wir sind alles andere als Traditionalisten, aber in diesem Zusammenhang müssen wir sagen, dass es sicherlich Vorteile bezüglich der finanziellen Absicherung und auch Vorteile bezüglich der gesetzlichen Rente hat, wenn man offiziell die Ehe schließt. Dass gerade Mütter zusätzlich zur gesetzlichen Rente noch privat vorsorgen sollten, ist ebenfalls wichtig.

Care-Arbeit sollte bezahlt werden

Als Lösung für die Ungleichheit liest man immer wieder überall, es soll Frauen ermöglicht werden, früher wieder zurück in den Beruf zu gehen. Es müssen mehr Kita-Plätze zur Verfügung stehen, kurzum ist der Tenor: Frauen sollen nicht bei den Kindern sein, sondern arbeiten – womit natürlich ausschließlich die bezahlte Arbeit gemeint ist.

Das finden wir völlig falsch und zwar aus zwei Gründen: Erstens sind wir dann wieder genau bei dem Mindset, dass Care-Arbeit nichts wert sei, also zurecht nicht bezahlt wird. Und zweitens denken wir, dass die Mutter auf ihr Gefühl hören sollte, was die Nähe zu ihrem Kind angeht. Es kann nur gesund und richtig sein, wenn die Mutter bei ihrem Kind ist, weil sie spürt, dass ihr Kind sie braucht. Die Gesellschaft als Ganzes hat ein großes Interesse daran, dass wir Kinder hervorbringen, die später gesunde und selbständige Erwachsene werden. Und wenn die Eltern intuitiv spüren, dass es zu früh wäre, das Kind jeden Tag für viele Stunden abzugeben, dann ist es nicht dienlich für die emotionale Entwicklung des Kindes und deren Bindung zu den Eltern, wenn man „nur wegen des Geldes“ gegen diese Intuition handelt.

Bis es soweit ist, haben wir folgenden Denkanstoß:

Das Drei-Konten-Modell

Eine gute Lösung ist das Drei-Konten-Modell. Das heißt, es gibt ein Gemeinschaftskonto, auf das alle Einkünfte der Familie laufen. Von diesem Konto gehen auch alle gemeinsamen Ausgaben wie Miete, Essenseinkäufe, Finanzierungsraten für gemeinsame Güter usw. ab. Der Rest wird 50:50 aufgeteilt und an beide Beziehungspartner ausbezahlt, die also jeweils unabhängige eigene Konten haben. Mit diesem übrigen Geld kann dann jeder der Partner machen, was er will – ohne jemanden nach Geld zu fragen oder Rechenschaft ablegen zu müssen. So sorgt das Drei-Konten-Modell für Klarheit und visualisiert die Gleichberechtigung.

Fazit:

Liebe Frauen und insbesondere Mütter: Vertretet selbstbewusst den Standpunkt, dass eure Arbeit, die ihr für die gemeinsame Familie leistet, genauso wertvoll ist, wie für das Familien-Einkommen zu sorgen. Lass euch nicht von der Gesellschaft oder eurem Partner einreden, dass ihr ja „kein Geld verdient“ und daher fragen müsst, ob und wieviel Geld ihr bekommt und womöglich noch erklären müsst, für was ihr das Geld ausgeben wollt.
Überlegt euch, ob das Drei-Konten-Modell ein guter Ansatz für euch wäre und wenn ja, dann schlagt es eurem Partner vor.


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