Schatzi, kümmerst du dich bitte ums Geld?

Immer mehr Paare leben in einer gleichberechtigten Beziehung, in der beide Geld verdienen – wenn auch nicht immer gleich viel (Gender Pay Gap). Wird das erste Kind geboren, werden die Aufgaben neu verteilt. Immer mehr Väter entdecken die Freude am Vatersein. Die traditionellen Rollenmodelle werden aufgebrochen, zunächst jedenfalls. Spätestens beim zweiten Kind rutschen Frauen tendenziell in die Rolle der Hauptverantwortlichen für die täglichen Bedürfnisse der Familie. Das ist vor allem der Arbeitswelt geschuldet, die immer noch viel zu wenig Rücksicht auf die Kleinsten unter uns nimmt. Für die Finanzen von Frauen kann es weitreichende Konsequenzen haben, wenn Paare an diesem Punkt die Arbeitsteilung in Sachen Geld nicht neu verhandeln. „Schatzi, kümmerst du dich bitte ums Geld?” funktioniert nur, solange nicht einer über dem anderen steht – weil er (oder sie) mehr verdient.

In einer gleichberechtigten Beziehung muss das gemeinsame Verständnis gegeben sein, dass wichtige finanzielle Entscheidungen gemeinsam getroffen werden, unabhängig davon, wer mehr verdient. Zu diesen wichtigen Entscheidungen gehören Lebensversicherungen, Vermögensaufbau und Altersvorsorge.

Es fällt Paaren oft schwer, den Anspruch an finanzielle Unabhängigkeit mit der Abhängigkeit zu vereinen, die in Familien tendenziell entsteht. Je mehr Kinder zu versorgen sind, desto ausgeprägter wird das finanzielle Ungleichgewicht. Wenn Frauen gewöhnt waren, eigenes Geld zu verdienen, stehen sie vor der Herausforderung, Anspruch auf das Geld ihres Partners zu erheben. Umgekehrt muss ein Mann sein Geld plötzlich teilen. Ohne dass er im Job weniger leisten würde, reduziert sich das Einkommen eines Mannes, der eine Familie finanziell versorgt, um den Anteil, der für deren Auskommen benötigt wird. In Frauen erzeugt das häufig Schuldgefühle: weil sie aufgrund ihres Berufsabschlusses den Anspruch an sich haben, sich finanziell selbst zu versorgen. Die Folge: Sie konzentrieren sich auf Mann und Kinder – und stecken selbst in vielem zurück. Die finanziellen Bedürfnisse von Frauen bleiben da schon mal auf der Strecke. Meist fällt das erst auf, wenn eine Ehe oder Beziehung in die Brüche geht – und dann ist es zu spät, um all das nachzuholen, was über Jahre oder gar Jahrzehnte versäumt wurde. Bei Trennungen und in Scheidungsverfahren wird über wenig so erbittert gestritten wie über das Thema, das zuvor unter den Teppich gekehrt wurde: das gemeinsame Geld, das plötzlich (wieder) nur noch dem gehören soll, der es verdient.

Was passiert eigentlich im Falle der Trennung und wie steht die Frau finanziell dann da? Besser, man hat sich schon vorher darum gekümmert.

Wer einem Rosenkrieg ums Geld vorbeugen will, ist gut beraten, das Thema nicht erst besprechen zu wollen, wenn die oder der andere die Koffer bereits gepackt hat. Die eigene finanzielle Versorgung ist von existentieller Bedeutung für jeden erwachsenen Menschen, egal, ob und wie viel Geld er oder sie verdient. Dies gilt insbesondere für Eltern, die Verantwortung für Kinder tragen. Väter und Mütter bleiben einander durch gemeinsame Kinder auch nach einer Trennung nicht nur emotional verbunden, sondern auch durch ihre gemeinsame Aufgabe, ihre Finanzen so zu regeln, dass der Schwächere nicht den Kürzeren zieht. An dieser Stelle ist noch viel zu tun – nicht nur von jedem einzelnen Paar, sondern auch im gesellschaftlichen Bewusstsein, das politische Entscheidungen maßgeblich prägt. Um finanzielle Gewalt in Beziehungen zu verhindern, muss viel passieren. Ein wichtiger Schritt für jedes einzelne Paar ist es, die eigene Arbeitsteilung in Sachen Geld zu überprüfen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie die oder der finanziell Schwächere dasteht, wenn dem anderen etwas passiert – oder es zur Trennung kommt.

Mehr Informationen unter www.finanzielle-gewalt.de und www.joanmartin.de.


Blog abonnieren

Trage hier deine E-Mail Adresse ein und klicke auf “Subscribe”, wenn du über neue Blog-Artikel informiert werden möchtest:


 

Ich freue mich über dein Interesse!

Liebe Grüße,


Zur Startseite

1 Gedanke zu „Schatzi, kümmerst du dich bitte ums Geld?“

  1. Pingback: Was verdient die Frau? – Das Drei-Konten-Modell – InvestmentMama

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.