Nachhaltige Geldanlage – Aktien und Moral

Sind Aktien und Nachhaltigkeit vereinbar?

Seit jeher interessiere ich mich für das Thema Ethik und Nachhaltigkeit, auch und gerade im globalen Kontext. Meine eigenen Lebensgewohnheiten und meinen Konsum habe ich im Laufe der Jahre immer mehr umgestellt, weil mir Umwelt, Tiere und Gleichberechtigung für Menschen am Herzen liegen.

Nach einer großen Reise, auf welcher ich meinen Horizont öffnen und mich persönlich weiterentwickeln konnte, studierte ich Finanzdienstleistungen & Corporate Finance. Viele meiner Freunde meinten damals, dass dieses Thema doch so garnicht zu mir passen würde. Aber ich war damals der Auffassung, das Finanzsystem wäre der Ursprung allen Übels oder zumindest ein großer Teil davon – und darum wollte ich frei nach dem Motto „kenne deinen Feind“ genau über dieses Übel alles erfahren.
Meine Bachelor-Arbeit schrieb ich über das Thema Verantwortungsvoll investieren – Kriterien nachhaltiger Geldanlage.

Dürfen wir nun also mit gutem Gewissen in Aktien investieren? Meine Meinung ist nach langem Abwägen: Ja!

Um das zu bewerten, müssen wir uns den Prozess und die moralischen Bedenken am Beispiel einer Boeing-Aktie einmal betrachten. Boeing kennen die meisten als reinen Flugzeugbauer, das Unternehmen ist aber auch einer der größten Waffenhersteller der Welt.

Was passiert, wenn wir Boeing-Aktien kaufen?
Wenn wir eine Aktie kaufen, verkauft sie jemand an anderer Stelle. An der Börse wird durch Angebot und Nachfrage ständig ein aktueller Preis für die Boeing-Aktie ermittelt. Boeing selbst ist in diesem Prozess nicht involviert. Es ist Jahrzehnte her, dass Boeing Geld durch den Verkauf von Aktien zugeflossen ist. Genau gesagt beim Börsengang 1978, da verkaufte Boeing Unternehmensanteile. Dadurch hat es Kapital eingesammelt mit dem es arbeiten kann. Die Unternehmensanteile, also Aktien, können weiter verkauft werden und sind eben seit 1978 im Umlauf. Diejenige, die die Aktie zum Zeitpunkt der Hauptversammlung besitzt, kann durch seine Stimmrechte mit entscheiden, wie hoch die Gewinnausschüttung sein soll (Dividende). Also wie viel re-investiert und wie viel ausgeschüttet wird. Außerdem werden richtungsweisende Entscheidungen getroffen, die ebenfalls mit den Aktionären gemeinsam beschlossen werden.
Exkurs: Es gibt auch Unternehmen, deren Philosophie es ist, nie Gewinne auszuschütten, sondern immer innerhalb des Unternehmens zu reinvestieren – zum Beispiel das Unternehmen Alphabet (Google).

Welchen Vorteil hat Boeing also, wenn wir Boeing-Aktien kaufen?
Das Unternehmen bekommt keinen Cent wenn wir die Aktie kaufen, im Gegenteil, es wird uns sogar wahrscheinlich etwas geben, und zwar die Dividende. Den einzigen positiven Einfluss, den es gibt ist, dass die Bonität und das Image auch vom Aktienkurs abhängt. Und dieser steigt bei höherer Nachfrage. Allerdings haben wir als kleine Privatanleger darauf quasi KEINEN Einfluss.

Der viel größere Einflussbereich liegt in unserem Konsum. Fliegen wir mit einer Boeing Maschine in Urlaub, hat Boeing mehr davon, als wenn wir einem Anleger ein paar Boeing-Aktien abkaufen.

Wir treffen jeden Monat viele Kaufentscheidungen. Kaufen wir fair trade, fahren wir mit dem Auto oder mit dem Rad zur Arbeit, kaufen wir ein Produkt online bei Amazon oder im Laden um die Ecke, kaufen wir lieber neue Produkte und schmeißen die alten weg, oder versuchen wir hochwertige Produkte zu besitzen die wir reparieren können?

Wir unterstützen zum Beispiel Ölkonzerne viel mehr, wenn wir oft an der Zapfsäule stehen, als wenn wir Aktien von ihnen kaufen. Wenn wir lieber einmal mehr mit dem Rad, statt mit dem Auto fahren, ist das ein größerer Einfluss auf das Unternehmen als der Kauf oder eben Nicht-Kauf von ein paar Aktien.

Dann also keine Nachhaltigkeitsfonds / -ETFs kaufen?

Es hat statistisch auch keinen Nachteil wenn wir nur Aktien von Unternehmen kaufen, die auf Nachhaltigkeit Wert legen. Oft schneiden diese ETFs sogar etwas besser ab als Aktien nicht so nachhaltig agierender Unternehmen.

Aber Moment, welches Unternehmen ist denn nachhaltig und welches nicht?

Jetzt müssten wir uns erst einmal überlegen, wie wir nachhaltig definieren wollen. ESG (environmental, social, governance) ist eine Variante die Unternehmen zu bewerten.

Die ESG-Kriterien im Überblick

Weitere Informationen zu diesem Thema findest du in diversen Artikeln meines Blogs. Zum Beispiel im Beitrag Investment und Moral – die bösen Aktien und mein gutes Gewissen.

Aber was wenn wir aus allen Branchen dann die Nachhaltigsten Unternehmen aussuchen? Wie wäre es mit dem nachhaltigsten Waffenhersteller, oder der nachhaltigste Ölkonzern? Schwierig und irgendwie seltsam wenn Nestlé und Exxon Mobil in einem Nachhaltigkeits-Fond vertreten ist. So ist es aber leider.

Subjektiv können wir sagen, dass es sich besser anfühlt, SAP im Portfolio zu haben als Boeing. Auch wenn wir mit dem Verstand erfasst haben, dass der Nutzen für diese Unternehmen gleich Null ist wenn wir deren Aktien kaufen.

Vielleicht ist das ja der Grund, warum ETFs mit dem Kürzel ESG oder SRI (socially responsible investment) teilweise besser abschneiden, also „performen“, wie wir im Fachjargon sagen.

Oder ist das Risiko für Image schädigende Skandale niedriger, wenn ein Unternehmen auf die Umwelt und seine Mitarbeiter achtet?

Wir sollten nur die Diversifikation im Auge behalten und sicher stellen, dass wir über viele Länder und Branchen hinweg investiert sind. Das ist aber auch mit ein paar hundert nachhaltig eingestuften Unternehmen möglich.

Wenn dich das Thema Geldanlage interessiert, dann schau dir doch mal unser Webinar an:

Zum kostenlosen Webinar AltersEIGENVorsorge mit ETFs

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.