ArbeiterKind.de – Für alle, die als Erste in ihrer Familie studieren

Von 100 Kindern aus Familien mit Eltern ohne akademischen Abschluss nehmen nur etwa ein Viertel ein Studium auf und das, obwohl rund die Hälfte das Abitur erreichen. Dagegen studieren von 100 Akademikerkindern rund drei Viertel.
Diese Diskrepanz erlebte auch Katja Urbatsch während ihres eigenen Studiums. Die Erfahrungen, welche sie und ihr Bruder Marc als Kinder aus einer Familie ohne akademischen Hintergrund während ihres eigenen Studiums machten, motivierten Katja im Jahr 2008 dazu, die gemeinnützige Organisation ArbeiterKind.de zu gründen. Sie sah, welchen Unterschied es macht, wenn es akademische Vorbilder in der eigenen Familie gibt, die erklären können, wie ein Studium funktioniert, was eine Hausarbeit ist, welche Berufsfelder später möglich sind. Auch die fehlende finanzielle Unterstützung ist für Nichtakademikerkinder eine Hürde auf dem Weg zu einem Hochschulabschluss.

In den letzten Jahren hat sich ArbeiterKind.de zur größten gemeinnützigen Organisation zur Unterstützung von Studierenden der ersten Generation in Deutschland entwickelt. Über 6.000 Ehrenamtliche engagieren sich mittlerweile in rund 80 lokalen Gruppen bundesweit und informieren Schüler:innen, Studierende und Eltern über alle Themen rund ums Studium mit besonderem Augenmerk auf der Finanzierung. Die ehrenamtlich Engagierten von ArbeiterKind.de begleiten Schüler:innen und Studierende auf ihrem Weg vom Studieneinstieg bis zum erfolgreichen Studienabschluss. Danach betreuen Berufserfahrene die erfolgreichen Hochschulabsolvent:innen individuell im Berufseinstiegsprogramm von ArbeiterKind.de bei ihren Schritten in den ersten Job.

Über den sehr erfolgreichen Peer-to-Peer-Ansatz von ArbeiterKind.de, wonach viele der Engagierten selbst Studierende der ersten Generation sind, werden Ratsuchende bei ArbeiterKind.de in offenen Treffen, Sprechstunden, Infoveranstaltungen in Schulen, über ein Infotelefon, ein persönliches Mentoringangebot, eine Webseite und ein eigenes soziales Netzwerk besonders niedrigschwellig, glaubwürdig und persönlich erreicht und informiert. Die Engagierten können unterstützen, weil sie selbst die Erfahrung gemacht haben und dabei Stärken wie z.B. Durchsetzungskraft entwickelt haben, die sich die Gesellschaft insgesamt zu Nutze machen sollte.


Die finanzielle Lage unserer Familie sowie unser Migrationshintergrund haben uns den Weg an die Hochschule erschwert. Deswegen ist es mir eine Herzensangelegenheit, mich für Bildungsgerechtigkeit einzusetzen.Shanka A., Referendarin und ehrenamtliche Mentorin bei ArbeiterKind.de

Shanka A., Referendarin und ehrenamtliche Mentorin bei ArbeiterKind.de, beschreibt ihren Weg in ihr Ehrenamt wie folgt: „Als meine Schwester und ich als Erste aus der Familie anfingen zu studieren, standen wir vor vielen Herausforderungen. Wir mussten alles alleine organisieren und herausfinden. Die finanzielle Lage unserer Familie sowie unser Migrationshintergrund haben uns den Weg an die Hochschule noch mehr erschwert. Deswegen möchte ich jetzt gerne anderen helfen, die in der gleichen Situation sind wie ich vor ein paar Jahren. Da ich Lehrerin werde, ist es eine Herzensangelegenheit, mich für Bildungsgerechtigkeit einzusetzen. ̋ Gerade Lehrerinnen und Lehrer sowie Mitarbeitende an den Hochschulen gelten als entscheidende Multiplikator:innen für die Ideen von ArbeiterKind.de. Schulen und Hochschulen versucht die Organisation daher durch spezielle Patenschaften regelmäßig zu erreichen und Lehrende für die Thematik zu sensibilisieren.

Schulvortrag von Arbeiterkind.de in München

Mittlerweile ist das Thema soziale Herkunft auch durch das Engagement der vielen Mitstreiter:innen von ArbeiterKind.de in einen breiten öffentlichen Fokus gerückt. Etliche Veröffentlichungen befassen sich mit dieser Diskriminierungsform, neben sexueller Identität, Alter, Behinderung, Religion, ethnischer Herkunft oder dem Geschlecht. Seit kurzem wurde die soziale Herkunft daher als 7. Dimension in die Charta der Vielfalt aufgenommen. Die Charta der Vielfalt ist eine Initiative von Arbeitgeber:innen unter Schirmherrschaft der amtierenden Bundeskanzlerin zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen. Damit wird von der Politik und von führenden deutschen Unternehmen zunehmend anerkannt, dass einer Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft in unserer Gesellschaft aktiv begegnet werden muss. Dazu bedarf es der Zusammenarbeit aller Bereiche dieser Gesellschaft und eine bessere Sensibilisierung in den Familien, den Bildungsinstitutionen, in der Politik und in den Unternehmen.

Auch in Zeiten der Corona-Pandemie bemühen sich die Ehrenamtlichen von ArbeiterKind.de mit Unterstützung des hauptamtlichen Teams weiterhin tagtäglich darum, Schüler:innen und Studierende aus Nichtakademikerfamilien auf ihrem Weg von der Schule an die Hochschule und in den Beruf zu begleiten. Durch die Kontaktbeschränkungen und die zeitweise Schließung der Schulen hat sich die Arbeit der Organisation enorm verändert. Mittlerweile treffen sich nahezu alle lokalen Gruppen regelmäßig in Online-Formaten und unterstützen dort Interessierte. Schüler:innen finden Antworten auf ihre Fragen ebenfalls in virtuellen Angeboten und Berufserfahrene nutzen die digitalen Möglichkeiten, um sich über das gesamte Bundesgebiet hinweg auszutauschen, zu vernetzen und sich für Bildungsgerechtigkeit zu engagieren. Die allgegenwärtige Corona-Pandemie wird Ungerechtigkeiten noch weiter vertiefen, aber hoffentlich auch den Willen stärken, die Situation zu verbessern.


Der Autor Pablo Ziller ist seit 2021 Online-Redakteur und Mitarbeiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Arbeiterkind.de.

Nathalie Röder, Feministin & Finanzexpertin

In Deutschland gibt es eine starke Korrelation zwischen Bildungsgrad und Aktienbesitz. Das bedeutet, dass eher die gebildeteren Menschen in Aktien und eben auch ETFs investieren, um ihre Altersvorsorge zu sichern. Im Umkehrschluss bleibt vielen Menschen aus familiär prekärem Umfeld, in denen Bildung (und damit auch finanzielle Bildung) leider oftmals nicht an erster Stelle der Probleme steht, das Wissen verborgen, um sich selbst um ihre Finanzen zu kümmern.

Hier möchten wir von InvestmentMama ansetzen und vermitteln gerne kostenlos ein Grundwissen, um sich einen Überblick über die Finanzwelt zu schaffen.


Ich freue mich auf deine Nachricht.

Liebe Grüße,
Nathalie

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